Präventionsbotschaften

Mädchen und Jungen sollen in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden. Sie sollen befähigt werden, Grenzverletzungen als solche wahrzunehmen und Wege zu finden, sich auf ihre Weise einer Person ihres Vertrauens mitzuteilen. Konkret haben sich zur Prävention von sexuellem Missbrauch folgende Präventionsbotschaften durchgesetzt:

1. Mein Körper gehört mir und ich darf darüber bestimmen!

Kinder sollen ihren Körper kennenlernen und ihn als einzigartig und wertvoll erleben. Wenn sie sich im eigenen Körper wohl fühlen und stolz auf ihn sein können, wächst ihr Selbstwertgefühl. Selbstbewusste Mädchen und Jungen können sich eher gegen sexuelle Übergriffe wehren und Grenzen setzen. Kinder sollen alle Körperteile bezeichnen können und darüber sprechen dürfen. So können sie sexuelle Übergriffe leichter benennen und sich Hilfe holen.

2. Meine Gefühle sind richtig und ich kann ihnen vertrauen!

Es ist wichtig, Kinder mit den verschiedenen Gefühlen vertraut zu machen. Wer eigene Gefühle ernst nimmt, kann einen sexuellen Übergriff eher wahrnehmen. Mädchen und Jungen, die sexuell missbraucht werden, nehmen ihre Gefühle oft nicht mehr wahr. Sie fühlen sich häufig schuldig. Die Verantwortlichkeit liegt jedoch immer bei der übergriffigen Person! Bestärken Sie Kinder darin, den eigenen Gefühlen zu vertrauen und diese auszudrücken.

3. Ich kann zwischen angenehmen und unangenehmen Berührungen unterscheiden!

Es gibt Berührungen, die sich gut anfühlen und glücklich machen. Aber nicht alle Berührungen sind schön. Unterstützen Sie Kinder darin, unterschiedliche Berührungen wahrzunehmen und zu überlegen, welche für sie angenehm sind und welche nicht. Geben Sie Kindern ausdrücklich die Erlaubnis, unangenehme Berührungen auch von geliebten Menschen zurückzuweisen.

4. Ich kenne den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen!

Kinder haben meist viel Freude an Geheimnissen, denn mit anderen ein Geheimnis zu teilen ist aufregend und spannend. Der Spaß an Geheimnissen wird jedoch von Tätern und Täterinnen ausgenutzt. Sie manipulieren Kinder und zwingen ihre Opfer, den Übergriff zu verschweigen, indem sie sie unter Druck setzen oder den Übergriff als gemeinsames Geheimnis bezeichnen. Daher ist es für Mädchen und Jungen wichtig, zwischen guten und schlechten Geheimnissen unterscheiden zu können. Sie müssen das Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie Geheimnisse, die ihnen ein ungutes Gefühl machen, weitererzählen sollen.

5. Ich darf Nein sagen und habe keine Schuld, wenn mir etwas passiert!

Alle Kinder haben Rechte. Es ist wichtig, dass sie lernen, in bestimmten Situationen Grenzen zu setzen und Nein zu sagen. Sie sollen darin unterstützt werden, dieses Recht auch gegenüber Erwachsenen wahrzunehmen und ihr Nein-Gefühl zu vertreten, wenn sie etwas nicht möchten. Manchmal kommen Mädchen und Jungen jedoch in Situationen, in denen sie eine Berührung zwar ablehnen, aber ihr Nein nicht beachtet wird. Sie sollen wissen, dass sie nie Schuld haben, wenn ihnen etwas zustößt. Dies gilt auch, wenn sie nicht Nein gesagt haben oder ihr Nein übergangen wurde.

6. Ich hole mir Hilfe, wenn ich etwas allein nicht schaffe!

Es gibt viele Situationen, in denen Kinder sich nicht allein helfen können. Jungen und Mädchen sollen lernen, dass Hilfe holen kein Zeichen von Schwäche, sondern mutig und schlau ist. Bestärken Sie Kinder darin, sich in schwierigen Situationen Hilfe zu holen, und überlegen Sie gemeinsam, bei wem sie diese konkret erhalten können. Kinder sollen wissen, dass Hilfe holen kein Petzen ist.

PETZE – Prävention von sexualisierter Gewalt und sexuellem Missbrauch