NO means NO - My life first / Schweigen brechen - Gewalt überwinden; "womens consultion" zum Thema Gewaltüberwindung an Frauen und Kindern in Tansania

NO means NO – My life first / Schweigen brechen – Gewalt überwinden

“womens consultion” zum Thema Gewaltüberwindung an Frauen und Kindern in Tansania

– Presseinformation –

Kiel, 26.10.2018. Zum Thema Gewalt an Frauen und Kindern haben 15 Expertinnen 17 Tage lang, aus Schleswig-Holstein, der Region Ost Kilimanjaro in Tansania und der Demokratischen Republik Kongo, gemeinsam in Tansania gearbeitet. Die „women consultation“ war das zweite gemeinsame Lern- und Arbeitstreffen. 2016 waren sieben Frauen des Kirchenkreises Kilimanjaro Ost zu Gast im Kirchenkreis Altholstein, um zu dem Thema „empowerment to overcome violence against women“ zu arbeiten.

Die Idee, sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem schwierigen Thema Gewalt an Frauen zu nähern, ist in Mrimbo/Tansania entstanden und wurde von Birgitta Henrich aus dem Leitungsteam der Tansaniagruppe Heikendorf, begeistert aufgenommen:

„Frauen in den Mittelpunkt einer Begegnung zu stellen, war 2015 noch eine Vision. Dass es uns 2016 gelungen ist und nun schon die zweite Konsultation zum Thema Gewaltüberwindung an Frauen und Kindern durchgeführt wurde, ist ein großer Erfolg.“  

Silke Leng, Diakonin in der Ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Altholstein, leitete gemeinsam mit der ehrenamtlichen Tansanierin Monyiaichi Mlaki durch das Programm:

„Mir ist das interkulturelle Lernen der Frauen mit unterschiedlichsten Erfahrungshorizonten besonders wertvoll. Daher freue ich mich für die zweite Konsultation Pastorin Yumba Nkulu Solange aus der Partnerkirche im Kongo gewonnen zu haben, denn im Kongo ist durch den Bürgerkrieg Gewalt allgegenwärtig. Vergewaltigung wird dort als Kriegswaffe eingesetzt.“

Dass biblische Texte zur Überwindung von Gewalt an Frauen hilfreich sind, machte Pastorin Susanne Sengstock, stellvertretende Leiterin des Frauenwerkes der Nordkirche mehrfach deutlich.

„Biblische Texte, die oft zur Unterdrückung von Frauen benutzt wurden, konnten dank einer anderen, feministischen Auslegung nun als stärkend und empowernd erfahren werden“. Das war eine neue Erfahrung nicht nur für die afrikanischen Frauen.“

In allen drei Ländern wird Unrecht und Gewalt oft mit dem Statement ‘das ist nun mal unsere Tradition’ gerechtfertigt. Die Strong Sisters – wie sich die Teilnehmerinnen nannten – wollen das so nicht stehenlassen. Großen Eindruck hinterließ die Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Hon. Dr. Elisabeth Minde aus Moshi.

„Die Kluft zwischen dem sogenannten Gewohnheitsrecht und Strafrecht ist in Tansania noch erschreckend groß.“

Ihre Forderung, das geschriebene Recht zu revidieren und der Bevölkerung bekannter zu machen, wurde besonders von den afrikanischen Teilnehmerinnen eingefordert. Die deutschen Frauen berichteten von Erfahrungen mit Schutzlücken im deutschen Recht, insbesondere im Sexualstrafrecht.

Aus dem kirchlichen Recht und deren Umsetzung berichtete Heike Holz, Dipl. Juristin und Präventionsbeauftragte der Nordkirche. Sie ist erfreut, dass das „neue Präventionsgesetz der Nordkirche zum Schutz vor sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt hier wichtige Impulse setzt“, erläutert Heike Holz in den Diskussionen.

Sarah Urassa, Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Uuwo, betonte, dass auch die tansanische Kirche lernen muss die vorherrschende Kultur des Schweigens – insbesondere nach Vergewaltigungen – zu brechen. Auch der Ausschluss von durch Vergewaltigung geschwängerten Mädchen aus Schule und Gottesdienst sowie Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen sind für die tansanischen, kongolesischen und deutschen Frauen ein Skandal.

Die Nichtregierungsorganisation TUSONGE aus Moshi setzt sich u.a. für eine Beendigung der Genitalverstümmelung bei Mädchen in der Region ein. Svenja Schindler von contra, der Fachberatungsstelle gegen Frauenhandel in Schleswig-Holstein berichtete, dass diese Gewalt auch in Deutschland zunehmend zu entdecken ist.

„Daher ist eine ganzheitliche Aufklärung zu dieser Thematik in unserer kulturell vielfältigen Gesellschaft dringend erforderlich.“

Hier setzt auch Katharina Wittkugel-Firrincieli, Diakonin und Berufsschullehrerin, an:

“Wir müssen in allen drei Ländern verstärkt auf die Erziehung und Bildung der nächsten Generation setzen, damit Frauen nicht Opfer bleiben und Männer nicht zu Tätern werden.“

Das ist auch das zentrale Anliegen von Ursula Schele, Geschäftsführerin des PETZE-Instituts für Gewaltprävention:

„Die in Schleswig-Holstein bekannte Präventionsausstellung ECHT KLASSE für Grundschulen wird jetzt auch in der Region Moshi-Rural unter dem Namen „No is NO – my body first“ eingesetzt werden. Meine Schulungen waren dazu ein erster Schritt.“

Das Projekt ist eine Kooperation des Kirchenkreises Altholstein, PETZE und TUSONGE und kann dank BINGO! Projektförderung umgesetzt werden. „Auch mit Hilfe dieser Ausstellung brechen wir die Kultur des Schweigens“, so die Teilnehmerinnen der women`s consultation Gruppe.

Höhepunkte der Konsultation waren neben der Durchführung eines Lernhauses, den Erfahrungen in den Gastfamilien und Projektbesuchen, der Empfang beim leitenden Bischof der Evangelischen-Lutherischen Kirche in Tansania, Dr. Frederic Shoo, sowie die Unterzeichnung eines gemeinsamen Memorandum of Understanding. Darin vereinbarten die Frauen der drei Partnerkirchen eine Fortsetzung ihres Engagements „empowement to overcome violence against women“. In allen drei Ländern besteht noch erheblicher Veränderungsbedarf, um eine echte Gleichberechtigung und Gewaltlosigkeit zu erreichen. Die Unterstützung des Memorandums durch den Propst des Kirchenkreises Kilimanjaro-Ost, Calvin Koola, unterstreicht die Bedeutung des Themas. Die deutsche Delegation wird das Thema Gewaltüberwindung sowohl in kirchlichen als auch nicht-kirchlichen Partnerschaftsarbeit verstärkt in den Fokus nehmen.

(Foto: Heike Holz)

V.i.S.d.P. Ursula Schele, Geschäftsleitung PETZE-Institut